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Absage an neuen Tagebau Welzow Süd II: Proschimer und Unterstützer treffen sich zur Dankesfeier

Viele Jahre lang kämpften Menschen aus Proschim, Welzow und der ganzen Lausitz gemeinsam mit überregionaler Unterstützung gegen die Pläne des Bergbaubetreibers, einen neuen Tagebau zu eröffnen. Im Koalitionsvertrag hat sich die neue Landesregierung aus SPD, CDU und Bündnisgrünen nun gegen die Tagebauerweiterung ausgesprochen. Aus diesem Anlass trafen sich am Sonnabend, den 23. November 2019 im Proschimer Kulturhaus über 120 Aktive zu einer kleinen Dankesfeier.

Nach einer Andacht stießen die Teilnehmer mit einem Glas Sekt auf die erfolgreiche Arbeit an. Einig waren sich aber auch alle im Saal darüber, dass nun zeitnah eine Änderung des Braunkohlenplans nötig sei, um die Ankündigung auch formal festzuschreiben.

Der Sprecher der „Klinger Runde - Netzwerk für den Erhalt der Heimat" Thomas Burchardt sagte: "Jahrzehnte haben Lausitzer dafür gekämpft, dass das sorbische Dorf Horno das letzte für einen Tagebau abgebaggerte Dorf ist. Ein breites Bündnis von BürgerInnen und Bürgern, Umweltverbänden, Vereinen und Organisationen aus dem In- und Ausland, der evangelischen Kirche, der DOMOWINA und vielen Wissenschaftlern, Künstlern und Kulturschaffenden stand über Jahre an der Seite der Proschimer. Nach der Absage des Tagebauplans Jänschwalde-Nord, der Einstellung der Planungen für Tagebaue auf der polnischen Seite der Lausitz ist die angekündigte Absage des Tagebauplans Welzow II ein klares Zeichen für einen von der Landesregierung politisch gewollten Strukturwandel. Dieser ist nun gemeinsam zu stemmen."

Die Welzower Stadtverordnete Hannelore Wodtke forderte vom tschechischen Bergbaubetreiber LEAG, die Absage endlich zu akzeptieren. „Mit der Erklärung im Koalitionsvertrag nimmt die Politik das Heft des Handelns in die Hand und lässt nicht mehr den Bergbaubetreiber über die Zukunft einer ganzen Region entscheiden“. Nach Bekanntwerden der Absage an den Tagebau hatte die LEAG angekündigt, dass sie erst im nächsten Jahr entscheiden wolle, ob sie den Tagebau noch in Anspruch nehmen will.

„Wir leben in einem Land, in dem jeder seine eigene Meinung äußern kann, auch die LEAG. Aber die Entscheidungen über das Wohl obliegt nicht einem Kohlekonzern aus Prag; das hat die neue Landesregierung klargestellt“, sagte Wodtke. Mit den Plänen zur Einrichtung einer Löschflugzeugstaffel und dem Aufbau eines europäischen Katastrophenschutzzentrum sowie ersten Ansiedlungen von Firmen, die sich der Drohnentechnologie widmen oder dem Testfeld für den neuen Mobilfunkstandard 5G sei die Region für die Zeit nach der Kohle nicht schlecht aufgestellt, sagte die Stadtverordnete.

An dem Treffen nahmen neben Einwohnern von Proschim und Welzow unter anderem der Energiewissenschaftler Prof. Christian von Hirschhausen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), René Schuster von der Cottbuser Umweltgruppe der Grünen Liga und der ehemalige Pfarrer von Atterwasch Matthias Berndt teil.