Initiativen aus Welzow, Proschim und Neupetershain haben der Brandenburger Bundestagsabgeordneten Dr. Andrea Lübcke ein Forderungspapier zum Strukturwandel in der Region Welzow–Proschim–Neupetershain übergeben. Beteiligt waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der Vereine „Traditionelle Landtechnik und Bäuerliche Lebensart Proschim“ und „Neupetershainer Geschichten – jetzt sind wir mal dran“ mit dem Vorsitzenden Steffen Soult sowie weiteren Mitgliedern des Vereins. Ebenfalls dabei waren Hannelore Wodtke aus der Stadtverordnetenversammlung Welzow sowie der CDU-Politiker Günter Jurischka.
Im Mittelpunkt standen konkrete Forderungen für Welzow und Neupetershain im Strukturwandel. Dazu gehören die Entwicklung des Industrie- und Gewerbegebiets Welzow/Flugplatz, die Aufwertung des Bahnhofsumfelds Neupetershain, bessere Verkehrsverbindungen, die Straße von Welzow nach Spremberg, ein verantwortungsvoller Umgang mit dem geplanten Welzower See sowie die dauerhafte Sicherung regionaler Kultur- und Bildungsorte.
Steffen Soult verwies darauf, dass in der Region bislang zu wenig von den Strukturwandelmitteln angekommen sei. Nach seiner Darstellung gebe es viele Konzepte, Studien und Ankündigungen, aber keine ausreichenden investiven Mittel aus dem Topf für den Strukturwandel für die unmittelbar betroffenen Orte. Gerade kleinere und periphere Kommunen dürften im Wettbewerb mit größeren Zentren nicht abgehängt werden.
„Hier vor Ort geht es nicht um abstrakte Strukturwandeldebatten. Es geht um Straßen, Bahnhöfe, Arbeitsplätze und um die Frage, ob junge Menschen in der Region eine Zukunft sehen. Welzow und Neupetershain sind bislang ein weißer Fleck im Strukturwandel. Das muss sich ändern. Die Landesregierung darf nicht länger wegschauen“, sagt Hannelore Wodtke.
Günter Jurischka kritisierte die Rolle des Braunkohlebetreibers deutlich. Der Tagebau habe die Region über Jahrzehnte geprägt, Flächen beansprucht und den Wasserhaushalt massiv verändert. Heute trockne die Region aus, während viele Fragen der Nachnutzung, der Flächenverfügbarkeit und der Verantwortung weiter offen seien.
„Der Braunkohlebetreiber ist im Strukturwandel längst zum Störfaktor geworden. Die Region braucht Klarheit bei Flächen, Wasser und Nachnutzung statt weiterer Blockaden“, so Jurischka.
Das Forderungspapier verweist darauf, dass im sogenannten Arm 1 der Strukturwandelmittel ein Gesamtvolumen von 3,612 Milliarden Euro benannt wurde. Davon seien rund 2,710 Milliarden Euro Bundesmittel auf 93 Projekte verteilt, zugleich seien bereits 89 Prozent der Bundesmittel gebunden oder reserviert. Als verbleibende Restmittel würden nur noch 395 Millionen Euro bis 2038 ausgewiesen. Aus Sicht der Initiativen zeigt das: Die entscheidenden Weichen werden jetzt gestellt.
Die Initiativen fordern unter anderem verbindliche nächste Planungsschritte für das Industrie- und Gewerbegebiet am Flugplatz Welzow, eine Klärung von Flächen- und Eigentumsfragen, eine aktive Investorenansprache, die Sanierung und Aufwertung des Bahnhofsumfelds Neupetershain, bessere Bus- und Straßenverbindungen sowie eine verlässliche Finanzierung regionaler Projekte.
„Viele Vorschläge liegen auf dem Tisch. Entscheidend ist jetzt die Umsetzung. Die Region hat lange genug Energie für andere geliefert. Jetzt muss Zukunft in der Region selbst entstehen“, so Wodtke. Die Initiativen wollen das Forderungspapier auch dem Strukturwandelausschuss des Brandenburger Landtags zukommen lassen.
Download Forderungspapier
